Immunschwächekrankheiten

Definition

Unter Immunschwäche versteht man, die Unfähigkeit oder verminderte Fähigkeit des Organismus, Infektionen und Tumorerkrankungen abzuwehren. Dabei unterscheidet man primäre und sekundäre Immunschwächekrankheiten. Bei der primären Immunschwäche handelt es sich um eine anlagebedingte Schwäche des Immunsystems. Bei der sekundären Immunschwäche handelt es sich um einen Folgezustand von verschiedenen anderen Krankheiten, z.B. HIV- Infektion, medikamenteninduzierte Antikörpermangelsyndrome, hämatologische Tumore, Darmerkrankungen und Nierenerkrankungen.

Da der primäre, angeborene Immundefekt in der täglichen Praxis normalerweise nicht direkt diagnostiziert werden kann, handelt es sich in der Regel um eine Ausschlussdiagnose,

das heißt erst durch Ausschluss der sekundären Immundefekte wird der primäre Immundefekt diagnostiziert.

Wann spricht man von einer Immunschwäche?

  1. vier oder mehr Infektionen in einem Jahr, die eine antibiotische Therapie erfordern
  2. rezidivierende Infekte oder ein Infekt, der eine ungewöhnlich lange antibiotische Therapie erfordert.
  3. zwei oder mehr schwere Infektionen in der Krankengeschichte ( Osteomyelitis, Meningitis, Sepsis)
  4. zwei oder mehr radiologisch nachgewiesene Pneumonien innerhalb von drei Jahren
  5. Infektion mit außergewöhnlicher Lokalisation oder ungewöhnlichen Erregern

Wenn einer dieser Punkte zutrifft, sollte eine Untersuchung des Immunsystems erfolgen.

Stellt sich dabei heraus, dass tatsächlich eine Immunschwäche vorliegt, muss sich eine Untersuchung auf mögliche Ursachen anschließen. Diese sind die bereits erwähnten Krankheiten (HIV- Infektion, Z.n. Chemotherapie, Blut- bzw. Knochenmarkserkrankungen, sowie Nieren- und Darmkrankheiten)

Wenn keine dieser Krankheiten nachweisbar ist ergibt sich der dringende Verdacht auf einen primären Immundefekt.

Während schwere Fälle des Antikörpermangelsyndroms bereits im Kindesalter auffallen und von Kinderärzten betreut werden, sind es weniger schwere Fälle wie

  • IgA- Defizienz
  • Common Variable Immune Deficiency
  • IgG- Subklassenmangel

die bis ins Erwachsenenalter nicht diagnostiziert werden und sich erst im fortgeschrittenen Alter manifestieren.

So ist das CVID keineswegs so selten, wie man es vermuten könnte.

Nach Expertenmeinung müsste in jeder mittelgroßen Allgemeinpraxis mindestens ein Patient mit dieser Krankheit diagnostiziert sein (Prof. Belohradsky;Vortrag 2011)

Vielen dieser Patienten mit einem Antikörpermangelsyndrom kann auf einfache Art und Weise geholfen werden, nämlich mit der regelmäßigen Verabreichung von Immunglobulinen. Diese werden von gesunden Plasmaspendern gewonnen, gereinigt und konzentriert.

Die Verabreichung erfolgt entweder intravenös oder subcutan in regelmäßigen Abständen (in der Regel 2-3 Wochen)